Warum 2nd-Life?

Li-Ionen-Zellen benötigen für ihre Herstellung Rohstoffe und Energie. Umso wichtiger ist die Frage, wie lange bereits produzierte Zellen sinnvoll genutzt werden können.

2nd-Life setzt genau hier an: Geeignete Li-Ionen-Zellen werden nach ihrer ersten Anwendung nicht unmittelbar dem Recycling zugeführt, sondern für einen weiteren Einsatzzweck genutzt. Auf dieser Seite zeigen wir, warum Re-Use einen wichtigen Beitrag zu einer besseren Ressourcennutzung leisten kann.

Warum längere Nutzung relevant ist

Windräder

Alle sprechen über die Energiewende und den Ausbau der regenerativen Energien. 2024 wurden in Deutschland rund 9,4 TWh Strom aus erneuerbaren Energien aufgrund von Netzengpässen abgeregelt.1 Flexible Verbraucher und Speicher können unter geeigneten netztechnischen Voraussetzungen dazu beitragen, solche Abregelungen zu reduzieren. Gleichzeitig werden bereits große Mengen gebrauchter Batterien dem Recycling zugeführt. Allein 2024 waren es in Deutschland rund 29.300 Tonnen in der Kategorie ‚sonstige Altbatterien‘, zu der insbesondere auch Lithium-Ionen-Batterien gehören. Das Umweltbundesamt verzeichnet dabei einen steigenden Rücklauf lithiumhaltiger Altbatterien, unter anderem aus Fahrzeugen und stationären Energiespeichern.2

Umweltwirkungen der Lithiumgewinnung

Lithium wird auf unterschiedlichen Wegen gewonnen. Die Umweltwirkungen hängen dabei stark von Lagerstätte, Förderverfahren und Weiterverarbeitung ab. Die weltweite Nachfrage nach Lithium wird maßgeblich durch Batterien geprägt. Nach Angaben des U.S. Geological Survey entfielen 2025 rund 88 % der globalen Lithiumverwendung auf Batterien3. Zu den größten Förderländern gehörten 2025 Australien, China und Chile.

In Südamerika wird Lithium unter anderem aus lithiumhaltigen Solen gewonnen. Bei dieser konventionellen Lithiumgewinnung aus Salaren wird lithiumhaltige Sole aus unterirdischen Lagerstätten gefördert und häufig in großen Becken konzentriert. Die Förderung von Sole sowie der zusätzliche Bedarf an Süßwasser können die lokale Wasserbilanz beeinflussen. Besonders relevant ist dies in den ohnehin sehr trockenen Regionen des südamerikanischen Lithiumdreiecks.4. Der Frischwasserbedarf unterscheidet sich erheblich zwischen den Abbaustandorten und Verfahren. Eine aktuelle Lebenszyklusanalyse ermittelt für untersuchte konventionelle Verfahren einen Frischwasserbedarf von etwa 40 bis 200 Litern je Kilogramm produziertem Lithiumcarbonat.5

Bagger in Tagebau - Vorteile von Second Life
Lithiumgewinnung aus Hartgestein

In Australien wird Lithium dagegen überwiegend aus Hartgestein wie Spodumen gewonnen. Abbau, Zerkleinerung und Aufbereitung des Gesteins sowie die anschließende Raffination sind energie- und materialintensiv. Ein erheblicher Teil des australischen Spodumenkonzentrats wird in China weiterverarbeitet.

Eine 2024 veröffentlichte Lebenszyklusanalyse von sechs Lithium-Lieferketten zwischen australischen Bergwerken und chinesischen Raffinerien ermittelte je nach Lieferkette Treibhausgasemissionen von etwa 10,7 bis 16,7 Tonnen CO₂-Äquivalenten je Tonne Lithiumcarbonat-Äquivalent.6 Die Studie zeigt zugleich, dass die Umweltwirkungen nicht hauptsächlich durch den Transport zwischen Australien und China entstehen. Wesentliche Beiträge entstehen bereits bei der Herstellung des Spodumenkonzentrats sowie bei der anschließenden Raffination.

Damit unterscheiden sich die Umweltprobleme der beiden Gewinnungswege: Bei der Lithiumgewinnung aus Sole ist insbesondere der Umgang mit Wasser in teilweise extrem trockenen Regionen relevant. Bei der Gewinnung aus Hartgestein spielen dagegen der Bergbau sowie der Energie-, Material- und Chemikalienbedarf der Aufbereitung und Raffination eine wichtige Rolle.

Die Förderung kann zudem Landschaften, Feuchtgebiete und empfindliche Ökosysteme beeinträchtigen. Die Gewinnung aus Sole kann gegenüber der Lithiumgewinnung aus Hartgestein geringere Treibhausgasemissionen aufweisen; die tatsächliche Umweltbilanz hängt jedoch stark vom Standort und vom eingesetzten Verfahren ab.

Neben Lithium werden für Li-Ionen-Zellen je nach Zellchemie weitere Rohstoffe wie Graphit, Nickel, Kobalt, Mangan, Eisen, Phosphor, Kupfer und Aluminium benötigt. Auch deren Gewinnung und Verarbeitung sind mit Umweltwirkungen verbunden.

Hinzu kommt die Herstellung der Zellen selbst: Eine 2025 veröffentlichte Lebenszyklusanalyse mit Fraunhofer-Beteiligung ermittelt für die untersuchten Li-Ionen-Zellen etwa 58 bis 92 kg CO₂-Äquivalente je kWh produzierter Zellkapazität.7 Werden bereits produzierte und noch geeignete Zellen in einer zweiten Anwendung weitergenutzt, kann dadurch die Herstellung zusätzlicher neuer Zellkapazität vermieden oder hinausgezögert werden. Wie hoch die tatsächliche CO₂-Einsparung durch Second Life ausfällt, hängt jedoch unter anderem von Restlebensdauer, Wirkungsgrad, Aufbereitung und der tatsächlich vermiedenen Neuproduktion ab.

Eine möglichst lange sinnvolle Nutzung bereits produzierter Zellen setzt deshalb an einem wichtigen Punkt an: Die für ihre Herstellung eingesetzten Rohstoffe und die bereits entstandenen Umweltwirkungen können über einen längeren Nutzungszeitraum verteilt werden.

Re-Use als zusätzlicher Lebenszyklus

Up-Cell nutzt geeignete Li-Ionen-Zellen, die ihre erste Anwendung bereits hinter sich haben, für einen weiteren Einsatzzweck.

Statt geeignete Zellen unmittelbar dem Recycling zuzuführen, werden sie geprüft und als 2nd-Life-Zellen in stationären Batteriespeichern weiterverwendet. Erst wenn eine weitere Nutzung nicht mehr sinnvoll möglich ist, folgt das Recycling. Ob eine weitere Nutzung ökologisch sinnvoll ist, hängt unter anderem vom Zustand der Zellen, ihrer verbleibenden Lebensdauer, dem Wirkungsgrad und dem konkreten Einsatzzweck ab. Deshalb werden nur geeignete Zellen für eine weitere Nutzung ausgewählt.

Der Ansatz verlängert damit die Nutzung bereits vorhandener Zellen und stellt Re-Use vor Recycling.

Second Life ist auch Teil der europäischen Kreislaufstrategie

Die längere Nutzung von Batterien ist auch in der europäischen Batterieverordnung ausdrücklich vorgesehen. Die Verordnung (EU) 2023/1542 schafft einen rechtlichen Rahmen für die Wiederverwendung und Umnutzung gebrauchter Batterien. E-Bike-Akkus fallen dabei unter die Kategorie der Batterien für leichte Verkehrsmittel (LV-Batterien).8

Für LV-Altbatterien sieht die Verordnung ausdrücklich die Vorbereitung zur Wiederverwendung oder zur Umnutzung vor. Dabei spielen unter anderem die Bewertung des Alterungszustands und der Leistungsfähigkeit sowie Qualitäts- und Sicherheitsanforderungen eine wichtige Rolle.

Damit wird deutlich: Recycling ist ein wichtiger Bestandteil der Kreislaufwirtschaft, muss aber nicht zwangsläufig der unmittelbar nächste Schritt im Lebenszyklus einer Batterie sein. Ist eine Batterie beziehungsweise sind ihre Zellen für eine weitere Nutzung geeignet, können Re-Use und Repurposing dazu beitragen, ihre Nutzungsdauer zu verlängern, bevor die enthaltenen Rohstoffe schließlich dem Recycling zugeführt werden.

Fazit

Regenerative Energien - Solaranlage und Windkraft und Blockheizkraftwerk auf dem Energieberg Karlsruhe

Mit dem Ausbau erneuerbarer Energien wächst zugleich die Bedeutung von Speicherkapazität. Stromerzeugung und Verbrauch fallen zeitlich nicht immer zusammen. Batteriespeicher können Energie zeitlich verschieben und damit unterschiedliche Aufgaben im Energiesystem übernehmen.

Für Up-Cell verbindet sich damit eine zweite Frage: Wie kann benötigte Speicherkapazität mit einer möglichst langen Nutzung vorhandener Ressourcen verbunden werden? Genau hier setzt der 2nd-Life-Ansatz an.

  1. https://www.bundesnetzagentur.de/SharedDocs/Downloads/DE/Sachgebiete/Energie/Unternehmen_Institutionen/MonitoringEnergiederZukunft/monitoringbericht_2025.pdf?__blob=publicationFile&v=6&utm, aufgerufen am 04.09.2026 []
  2. https://www.umweltbundesamt.de/en/node/14352?utm, aufgerufen am 04.09.2026 []
  3. https://pubs.usgs.gov/periodicals/mcs2026/mcs2026-lithium.pdf?utm, aufgerufen am 04.09.2026 []
  4. Vera et al., Environmental impact of direct lithium extraction from brines, Nature Reviews Earth & Environment, aufgerufen am 04.09.2026 []
  5. Schenker, V.; Pfister, S. (2025): Current and Future Impacts of Lithium Carbonate from Brines: A Global Regionalized Life Cycle Assessment Model. Environmental Science & Technology 59(13), 6543–6555. DOI 10.1021/acs.est.4c12619., aufgerufen am 04.09.2026 []
  6. Feng et al. (2024), Environmental impacts of lithium supply chains from Australia to China, Environmental Research Letters, DOI 10.1088/1748-9326/ad69ac., https://iopscience.iop.org/article/10.1088/1748-9326/ad69ac, aufgerufen am 04.09.2026 []
  7. Degen, F. (2025): Comparative life cycle assessment of lithium-ion, sodium-ion, and solid-state battery cells for electric vehicles. Journal of Industrial Ecology. DOI: 10.1111/jiec.13594., aufgerufen am 04.09.2026 []
  8. https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE-EN/TXT/?from=DE&uri=CELEX%3A32023R1542&utm []